Im Frühling ging es diesem Baum noch gut:

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es,
ein Jahrhundert.
Eugen Roth
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Der letzte Winter des Buchenhof-Waldes

In Hamburg - Iserbrook, an der Bundesstraße 431, der Osdorfer Landstraße 372/374, wuchs seit über 200 Jahren ein Buchenwald, der nie forstwirtschaftlich bearbeitet worden ist.
Buchenwälder sind in Deutschland das bedeutsamste Ökosystem. Heute nehmen sie nur noch 14% der gesamten Waldfläche ein und nur ein kleiner Teil davon hat den Charakter von Urwäldern, so, wie der Buchenhof- Wald hier im Hamburger Westen. Die Europäische Gemeinschaft hat in den letzten Monaten die Bundesrepublik Deutschland aufgefordert, die Schutzprogramme zum Erhalt der wegen des Klima- und Artenschutzes besonders wichtigen Buchenwälder, einzuhalten.
Das rund 35000 m² große Grundstück, 1789 zum ersten Mal als Wald erwähnt, ist der Restbestand der ursprünglichen Bewaldung der Geest nördlich der Elbe im Bezirk Altona (Ortsteil Iserbrook). Dieser naturbelassene Wald ist trotz der südlich angrenzenden vierspurigen und viel befahrenen Bundesstraße letzter natürlicher Lebensraum für seltene und europarechtlich geschützte Tierarten. Darunter sind Arten wie Wasserfledermaus, Breitflügelfledermaus und Abendsegler, die nach der europäischen FFH-Richtlinie (streng) geschützt sind. Dies ist eine absolute Seltenheit in Hamburg. Leider möchte die Schwarz- Grüne Mehrheitskoalition im Bezirk Altona diesen Wald einem Bauvorhaben opfern, so dass von 537 Bäumen, höchstens noch 233 Bäume in ihrer Ursprünglichkeit erhalten bleiben, um eine viergeschossige Wohnanlage mit 66 Wohneinheiten bauen zu können. Somit wird dieser einmalige Buchenwald zerstört, viele geschützte Tier- und Pflanzenarten werden ihren natürlichen Lebensraum verlieren. An diesem Standort wird das im Landes- und Artenschutzprogramm Hamburgs 1997 aufgenommene wichtige Bindeglied in der Vernetzung der Biotope Klövensteen, Osdorfer und Sülldorfer Feldmark fehlen.
Gegen das Vorhaben der Schwarz- Grünen Mehrheitskoalition hat sich eine Bürgerinitiative mit dem Ziel gegründet, den Buchenhof- Wald in seiner Einmaligkeit für den Hamburger Westen dauerhaft zu erhalten. Dazu fordert die Bürgerinitiative vom zuständigen Bezirk ein, keine Genehmigung zur Fällung von Bäumen und zur Bebauung des Geländes zu erteilen, sondern statt dessen den Buchenhof- Wald planrechtlich zu sichern. Dabei beruft sie sich auf Beschlüsse von Fachausschüssen des Bezirks Altona aus dem Jahr 2006, wo bereits diese Forderung von allen Parteien einstimmig angenommen war.
Nachdem ein genehmer Käufer gefunden wurde, beschloss die Schwarz- Grüne Mehrheitsfraktion in der Bezirksversammlung Altona für das Gelände des Buchenhof- Waldes einen Bauvorbescheid zu erteilen. Somit wurde der Bezirksamtsleiter beauftragt, gegen die ursprünglichen Voten der Fachausschüsse diesen Vorbescheid auszustellen.
Das entgegenstehende Landes- und Artenschutzprogramm der Hamburger Bürgerschaft aus 1997, in der dieser Wald als Biotop ausgewiesen ist, und das Landeswaldgesetz wurden nicht beachtet.Der Bezirk gründete sein Vorhaben nämlich auf höherrangiges Recht aus 1938, in dem Naturschutz keine Rolle spielte. Nach Protesten wurde der Bauträger ergänzend beauftragt, einen Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag zu finanzieren, der die Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz ausräumen sollte. Die vom Gutachterbüro vorgetragenen Argumente reichen nach Auffassung von Experten nicht aus, um die Verträglichkeit mit dem Bundesnaturschutzgesetz darzustellen. Die Diskussion musste jedoch nicht zu Ende geführt werden, da der Bauträger sich nun auf ein vereinfachtes Verfahren berufen kann- welches im Rahmen einer Änderung der Hamburger Bauordnung aus dem Jahr 2006/07 eingeführt wurde- wonach ein Bauträger unter bestimmten Rahmenbedingungen bauen darf, wenn er innerhalb von 2 Monaten keine gegenteilige Äußerung der Behörde erhält.
Somit ist es dazu gekommen, dass- obwohl naturschutzrechtliche Belange nicht ausreichend berücksichtigt wurden- der Bauträger den Buchenhof-Wald wegen Zeitablauf bebauen darf. Noch weiß niemand, was genau gebaut werden soll.



Der Buchenhof-Wald

